Besuch in Hiroshima und Nagasaki

Für mich ist klar: Reisen soll nicht immer Spass machen! Auf Reisen soll man auch entdecken können, zu was für abscheulichen Taten der Mensch fähig ist. Die Begründungen sind stets die gleichen: Manchmal muss der Religion zum Sieg verholfen werden, manchmal muss eine gesellschaftliche Utopie gegen allen Widerstand durchgesetzt werden – siehe in den Top 5 zu Phnom Penh – und manchmal muss man einige Leben auslöschen, um viele mehr zu retten. Letzteres war, wenn es mir recht ist, eine der Begründungen für den Abwurf der Atombombe in Japan über Hiroshima und Nagasaki!

Soll man beide Orte, über denen die Atombombe in Japan abgeworfen wurde, besuchen?

Ich meine, ja. Nagasaki, wo die meisten Touristen nicht hingehen, ist eine wirklich schöne Stadt, deren Besuch sich auch sonst lohnt. Hiroshima hat den Vorteil, dass man den Friedenspark und das Atombomben-Museum in einem Tagesausflug z.B. ab Kyoto absolvieren kann. Es kommt also darauf an, wieviel Zeit du für deine Japan-Reise eingeplant hast. Im Falle der Qual der Wahl spreche ich mich für Nagasaki aus. Das Konzept des Parks, des Museums und die Atmosphäre in der Stadt haben mir besser gefallen.

Die Atombombe in Nagasaki

Der Nagasaki Peace Park ist voll mit Statuen, Gedenktafeln und Überresten des Bombenabwurfs. Er befindet sich nur 200 Meter vom Bombenabwurfort entfernt. Wenn man durch den Park zur grossen Friedensstatue läuft, fallen einem Mauerüberreste im Gras zuerst gar nicht auf, bis man die davor stehende Gedenktafel liest und erfährt, dass hier mal ein Gefängnis war und das die einzigen Überreste des Gebäudes, das am nächsten zur Bombenabwurfstelle stand, sind! Man muss sich vor Augen führen, dass die vier Meter hohen und 25 cm dicken Mauern aus Stahlbeton waren, nicht etwa aus Backstein! 134 Menschen starben damals an dieser Stelle augenblicklich.

Wie sehen Hiroshima und Nagasaki in Japan heute aus? Wie sind die Atombomben-Parks gestaltet? Wie sehen die beiden Städte sonst aus? Hier ein Reisebericht.

In unmittelbarer Nähe des Peace Parks, befindet sich die Stelle, über der vertikal in 500 Meter Höhe die Atombombe in Nagasaki am 9. August 1945 um 11:02 Uhr explodiert ist. Sie wird Atomic Bomb Hypocenter genannt und ist markiert mit einem schwarzen Monolithen.

Wie sehen Hiroshima und Nagasaki in Japan heute aus? Wie sind die Atombomben-Parks gestaltet? Wie sehen die beiden Städte sonst aus? Hier ein Reisebericht.

Was mich im weiteren gewaltig beeindruckt hat, ist die Tatsache, dass der ganze Park, ja die ganze Stadt an dieser Stelle auf einem zwei bis drei Meter hohen Schutthaufen steht. Am Ende des Parks führt eine Treppe zu einem Flüsschen runter und dort sieht man durch eine Glasvitrine das ursprüngliche Bodenniveau Nagasakis, an dieser Stelle ausgegraben und im angetroffenen Zustand für die Nachwelt konserviert.

Wie sehen Hiroshima und Nagasaki in Japan heute aus? Wie sind die Atombomben-Parks gestaltet? Wie sehen die beiden Städte sonst aus? Hier ein Reisebericht.

Nagasaki war übrigens nicht das primäre Ziel des Atombombenabwurfs. Eigentlich wollten die Amerikaner die Bombe über Kokura, einer Industrie-Stadt, abwerfen. Doch Kokura war am 9. August bewölkt, weswegen man sich für das Ausweichziel Nagasaki entschied. Dort wurde die Bombe über Nord-Nagasaki in 9000 Metern Höhe abgeworfen. Die Atombombe forderte in Nagasaki gemäss Gedenktafel 73’884 Todesopfer und 74’909 Verletzte. Die damalige Bevölkerung Nagasakis wird auf 240’000 Personen geschätzt. Unvorstellbare Zahlen!
Nach dem Besichtigen der beiden Parks war es an der Zeit, das Atombomben Museum zu besuchen, das gleich neben der Bombenabwurfstelle steht. Viele Exponate zeigen, wie sich die Hitze von mehreren 1000 Grad ausgewirkt hat. Man sieht halbgeschmolzene Porzellanteller und verkohlte Metallgegenstände. Ebenfalls zu sehen sind Fotografien der damals angetroffenen, verkohlten Leichen. Dann wird erklärt, mit welchen Problemen Überlebende aufgrund der radioaktiven Strahlung zu kämpfen hatten. Es gab Menschen, die nur wenige Tage oder Wochen später an Leukämie starben bis hin zu Personen, die 40 Jahre überlebten, um dann doch noch an Krebs zu sterben.
Zu Tränen gerührt hat mich ein Foto beim Ausgang des Museums: Ein Junge, vielleicht 10 Jahre alt, der mit seinem Bruder im Babyalter zu einer Kremationsstelle kam. Der Bruder war mit einem Stoffbündel am Rücken des Jungen befestigt und bereits gestorben. So blieb ihm nichts übrig, als seinen kleinen Bruder dort abzuliefern, ihm mit einem Strammstehen die letzte Ehre zu erweisen und dann alleine in der Dunkelheit des Abends zu verschwinden. Die Szene des Strammstehens, mit dem Bruder am Rücken befestigt – hier habe ich das Bild im Internet gefunden – wurde von Joe O’Donnell, einem US-Militärfotografen, für die Ewigkeit festgehalten.
Der Eintritt ins Museum kostet 200 Yen für Erwachsene und die Hälfte für Kinder.
Wie kommt man zum Nagasaki Peace Park: Die Strassenbahn-Haltestelle Matsuyama-Machi liegt gleich neben dem Park. Vom Bahnhof Nagasaki aus dauert die Fahrt eine Viertelstunde.

Das normale Nagasaki heute

Ausländerquartier und Hafen

Das gibt es zum Glück auch noch! Obwohl ich wegen meiner Neugier betreffend der Atombombe hierher kam, war ich überrascht von der Schönheit Nagasakis, eine Stadt umgeben von grünen, bewaldeten Hügeln. Nagasaki war während der selbstgewählten 200järigen Periode, in der Japan sich vom Rest der Welt isolierte, die einzige Hafenstadt, wo der Kontakt mit internationalen Handelsleuten gestattet war. 1858 wurden mit fünf Ländern Freundschafts- und Handelsverträge geschlossen. In den Quartieren in Hafennähe war es Ausländern gestattet zu wohnen. Da die meisten Ausländer in Nagasaki Holländer waren, nannten die Japaner der Einfachheit halber einfach alle „Dutch”. Die damals von Ausländern bewohnten Häuser kann man noch heute am Hollander Slope bewundern.

Wie sehen Hiroshima und Nagasaki in Japan heute aus? Wie sind die Atombomben-Parks gestaltet? Wie sehen die beiden Städte sonst aus? Hier ein Reisebericht.

Es ist eine wunderschöne Gegend Nagasakis an einem Hügel beim Meereshafen. Man kann im Quartier auch etwas essen oder einen Kaffee trinken, doch die Preise sind ein bisschen höher als anderswo.

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Wenn du den Hollander Slope fertig bewundert hast, solltest du noch zur Meeresbucht runtergehen. Einerseits wegen der guten Aussicht, andererseits auch, weil dies der erste Ort auf meinen Reisen war, wo ich die Konstruktion eines riesigen Kreuzschiffs in einer Schiffswerft von weitem sehen konnte (hinten rechts im Bild).

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Wie kommt man zum Hollander Slope: Die Strassenbahn-Haltestelle Ourakaigan-Dori liegt zwischen dem Hafengelände und dem Hollander Slope.

Stadtzentrum und Nakashima-Fluss

Hier empfehle ich dir, dem Fluss entlang zu laufen und ein paar schöne Bilder der verschiedenen Steinbrücken, die den Fluss queren, zu machen. Die älteste Brücke mit Doppelbogen ist die Megane-Bashi-Brücke (übersetzt Brillen-Brücke). Sie wurde 1634 erbaut und hat alle Widrigkeiten der Zeit inklusive Atombombenangriff überstanden.

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Bei der Strassenbahn-Haltestelle Nishihamano-Machi befindet sich die Hamano-Machi-Arkade, eine der typisch Japanischen, überdachten Einkaufsstrassen. Dort durchzulaufen, etwas zu essen, in einem 100 Yen-Shop herumstöbern oder Kleider und Essensspezialitäten einkaufen lohnt sich auf alle Fälle.

Die Atombombe in Hiroshima

Der Peace Memorial Park in Hiroshima ist so ausgelegt, dass die Achse des Parks auf den Atombomben-Dom zeigt, der als Mahnmal stehengelassen wurde.

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Auch hier überkommt einem eine beklemmte Stimmung, wenn man durch den Park schreitet. Besonders beeindruckt hat mich das Children’s Peace Monument, das allen Kindern, die Opfer der Atombombe in Hiroshima wurden, gewidmet ist. Inspiriert wurde das Monument durch den Tod von Sadako Sasaki im Alter von zwölf durch Leukämie. Ihre Schulkollegen forderten daraufhin die Errichtung eines solchen Monuments. Im Museum ist eine Sektion ausschliesslich dieser berührenden Geschichte gewidmet. Dort sind auch Papierkraniche ausgestellt, die sie gefaltet hatte in der Hoffnung, diese bringen ihr Glück, um die Leukämie zu überleben.
Nach der Überquerung des Motoyasu-Gawa-Flusses kommt man schliesslich an den Ort, den fast jeder schon mal im Fernsehen gesehen hat, den Atombomben-Dom. Doch was war der Zweck des Gebäudes, bevor es zum Atombomben-Dom wurde? Es war das Messegebäude der Hiroshima-Präfektur, erbaut vom Tschechischen Architekten Jan Letzel. Der grüne Dom wurde schnell zu einem Merkmal Hiroshimas. Doch dann mit dem Abwurf der Atombombe in Hiroshima, am 6. August 1945, 8:15 Uhr, wurde der Dom zu dem, was er heute ist: Einem Mahnmal, welche schlimmen Schäden eine Atombombe anrichten kann. Die Bombe in Hiroshima explodierte in 600 Metern Höhe fast senkrecht über dem Dom. An genau der Stelle der Explosion, 160 Meter südöstlich, erinnert heute ein Stein aus rotem Marmor am Strassenrand daran. Der Grund, warum das Gebäude überhaupt noch steht, ist, dass der Druck der Bombe an dieser Stelle von oben kam und somit die Mauern nicht umriss. Nach langen Diskussionen entschied man 1967, den Dom genauso zu erhalten, wie er am 6. August 1945 aussah, inklusive der am Boden liegenden Trümmerteile.

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Das Atombomben-Museum in Hiroshima ist sehr politisch konzipiert. Die Rückschlüsse, was die Welt aus dem Atombomben-Abwurf zu lernen hat, kommen vor dem Teil, in dem die Auswirkungen auf die einzelnen Menschen beschrieben werden. Im politischen Teil ist mir vor allem die folgende Aussage hängen geblieben: Die USA soll die Bomben deswegen abgeworfen haben, weil sie an einem schnellen Kriegsende interessiert waren. Nur dies hat sichergestellt, dass die USA Japan komplett besetzen konnten. Hätte der zweite Weltkrieg in Ostasien noch länger gedauert, wäre mehr Hilfe der Sowjetunion nötig gewesen und Japan wäre nicht exklusiv von den USA besetzt worden. Wie es wirklich war, erfahren wir alle dann vielleicht im Jahre 2035 oder auch gar nie. Bekanntlich können alle geschichtlichen Ereignisse auf vielerlei Arten interpretiert werden.
Du solltest für das ganze Museum zwei Stunden einplanen.
Im Erdgeschoss befindet sich nach dem Eingang der politische Teil, bevor dann im oberen Geschoss auf das Schicksal der Bombenopfer eingegangen wird.
Bei einigen Überlebenden hing die Haut in Fetzen von der Hand herunter, wie ein Exponat aufzeigt. Ein Modell der Atombombe ist ebenfalls zu sehen. Unvorstellbar, wie ein drei Meter langes Objekt mit einem Durchmesser von einem halben Meter eine solche Zerstörung anrichten kann. Über 70’000 Menschen waren sofort tot, einige zehntausend mehr starben bis ein Jahr nach dem Abwurf der Bombe. Das Museum zeigt ebenfalls Gegenstände, die der enormen Hitze ausgesetzt und geschmolzen waren und geht auch auf die Spätfolgen des Abwurfs mit Beispielfotos von betroffenen Menschen ein. Beeindruckend auch der Stein mit dem Schatten eines Menschen, der aufzeigt, wie die Bombe jede Spur eines Menschen bis auf einen Schatten auslöschte.
Der Eintritt ins Museum kostet 50 Yen pro Person.

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Im Sunroute Hotel, wo wir übernachtet hatten, fand sich in einer Schublade ein Comic-Buch mit der Geschichte eines Japanischen Mädchens und wie es den Tag des Bombenabwurfs erlebt und überlebt hat. Das letzte Bild zeigt ein Foto der Autorin und die Auflösung, dass dies ihre Geschichte war. Sehr beeindruckend!

Das normale Hiroshima heute

Hiroshima bietet den für Japan üblichen Mix aus Tempeln, einem botanischen Garten und etlichen Museen, die einem für eine Weile beschäftigt halten können. Es gibt ebenfalls eine der typisch grossen Shopping-Arkaden. Gleich zu Beginn der Arkade vom Peace Memorial Park aus gesehen, hatten wir zu Abend gegessen in einem Restaurant namens Wa Ta Mi Japanese Dining. Das Konzept ist, das man viele kleine Häppchen an unterschiedlichen Spezialitäten bestellen kann. So kann man sich durch einige Bereiche der Japanische Küche durchkosten.
Besonders Spass gemacht hat mir das Fahren in den Strassenbahnen. Trotz der vermutlich hohen Kosten leistet sich Hiroshima immer noch Schaffner in den Strassenbahnen, die vor der Abfahrt darauf achten, dass alle aus- und eingestiegen sind und dann dem Fahrer per Glocke ein Signal zur Weiterfahrt geben. Bezahlen tut man beim Aussteigen und muss den Betrag passend zur Hand haben, da kein Wechselgeld ausgegeben wird. Die Strassenbahnen sind recht gross und bequem und man kann auch problemlos das Gepäck mittransportieren, was in den Strassenbahnen von Nagasaki weniger gut möglich ist.
Ausserhalb Hiroshimas darfst du die Miyajima-Insel mit dem berühmten O-torii Bogen vor der Küste im Meer nicht verpassen! Die Insel ist sowohl per Zug als auch mit der Strassenbahn (die Haltestelle an Land bei der Insel heisst bei beiden Miyajima-Guchi) ab Hiroshima problemlos zu erreichen. Wenn du einen JR Rail Pass hast, musst du übrigens für die JR-Fähre zur Insel nichts bezahlen.

Für deine Reiseplanung nach Hiroshima und Nagasaki

Um Nagasaki zu erreichen, fährst du mit der Shinkansen-Linie bis Hakata und steigst dann auf einen rumpelnden Regionalzug (der einzige rumpelnde Zug in Japan, den ich erlebt hatte) nach Nagasaki um. Um dein Ziel in Nagasaki zu erreichen, kannst du anschliessend auf die Strassenbahn umsteigen oder ein Taxi nehmen.
Hiroshima liegt an der Shinkansen-Linie. Mit der Strassenbahn kannst du nach der Ankunft dein Ziel in Hiroshima oder den Atombombenpark erreichen. Wenn du nur den Atombombenpark sehen möchtest, ist dies auch in einem Tagesausflug z.B. ab Kyoto möglich.

Wann ist die beste Reisezeit?

Am besten besuchst du Japan vom April bis September. Es kommt darauf an, was du sonst noch machen willst. Wenn du wegen der Kirschblüten kommst, ist Ende März bis Anfang April die beste Zeit. Möchtest du jedoch z.B. den Fuji-Berg hoch wandern, ist Juni bis August besser.

Ein weiteres Reiseziel, das nicht nur Spass bereitet, ist Phnom Penh in Kambodscha.

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