Selfie Stick – Untergang der Zivilisation oder nützlich?

Seit dem Moment, wo ich zum ersten Mal einen Selfie Stick sah – das war in Tokio im Meiji Jingu-Schrein – frage ich mich, ob das jetzt ein weiteres nützliches Tool ist oder ein Zeichen dafür, dass uns der langsame, aber sichere Untergang der Zivilisation bevorsteht?

Wollen denn diese Leute niemand Neuen auf Reisen kennenlernen? Oder haben sie Angst, jemanden um Hilfe zu bitten? Oder sind sie einfach vollkommen überzeugt, dass der Selfie Stick eine perfekte Lösung darstellt?

Inhaltsübersicht

Kurze Einführung in die Geschichte der Selfie Sticks

Überzeugende Argumente dafür und dagegen. Direkt hin.

Interessante Meinungen von Reiseexperten. Direkt hin.

 

Selfie Stick - Ein nützliches Gadget oder der ultimative Schwachsinn? Alles über Geschichte, Pros und Kontras und Meinungen von Reiseexperten hier!

Diese zwei, speziell er, geniessen es, von sich Fotos zu schiessen beim besagten Schrein in Tokio!

Der Selfie Stick macht Schlagzeilen!

Im englischen Sprachraum ist die Suche nach dem Begriff „Selfie Stick“ im Dezember 2014 regelrecht explodiert. Wir Deutschsprachigen interessieren und seit August 2014 auch mehr fürs Thema. Die Leute wollen wissen, wo man einen Selfie Stick kaufen kann und wie man ihn verwendet. Ein weiteres Thema ist, ob es eine Fernbedienung braucht oder ob man einfach Bluetooth verwendet. Weniger Erfolg ist den Kritikern des Sticks beschieden, denn kaum jemand googelt „Narcissistick“. 🙂

Wer hat den Selfie Stick erfunden?

Es hat mich überrascht, dass Selfie Sticks bereit in den 1980igern in Japan erfunden wurden. Sie helfen Sportlern wie Extremkletterern dabei, von sich selbst und ihren Abenteuern Fotos zu schiessen.

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Pro – “Selfie Stick” – ich wollen kaufen!

  • Du kannst dich oder eine Gruppe von oben fotografieren, was ziemlich cool ausschauen kann.
  • Dich an abgelegenen Orten, wo gerade niemand anders anwesend ist, selbst fotografieren.
  • Er eignet sich gut für Experimente: Als leidenschaftlicher Fotograf könntest du neue Möglichkeiten und Tricks finden. Wenn du alleine ein Video drehst, kannst du laufen oder rennen, gleichzeitig reden und das Ganze aufnehmen.
  • Du kannst ihn hochhalten, um ein ungestörtes Bild der Sehenswürdigkeit an Orten mit vielen Menschen zu schiessen. Aber mach es nicht zu lange oder jemand hinter dir könnte sich darüber beklagen. 🙂
  • Du musst deine Kamera oder das Mobiltelefon keinem Fremden ausleihen, der die Chance nutzen könnte, um damit zu verschwinden.

 

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Zwei Asiatinnen in Luzern machen ein Selfie Stick Selfie.

 

Contra – „Selfie Stick“ – nicht korrekt!

  • Du musst das sperrige Teil ständig mit dir herumtragen.
  • Der Selfie Stick könnte anderen die Sicht auf die Attraktion versperren. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viel stressiger der Sonnenaufgang beim Bromo-Vulkan in Java Indonesien gewesen wäre, wenn jeder Zweite vor mir noch so einen Selfie Stick hochgehalten hätte. In manchen Fussballstadien sind sie bereits verboten, aber das ist ein anderes Thema.
  • Du wirst einsam bleiben, denn immer, wenn du von dir ein Foto machst, verwendest du den Stick. Vielleicht wäre die Person, die du nicht gefragt hast, eine gute Begleitung fürs Abendessen gewesen?
  • Unzweifelhaft wirst du mehr Selfies machen, aber wirst du dir die Fotos je wieder anschauen? Und brauchen deine Facebook und Instagram-Freunde wirklich fünf Selfies am Tag von dir? Vielleicht werden sie dir nicht mehr folgen – aber Freunde bleiben – und deine sogenannte soziale Reichweite wird schrumpfen.

Was sagen Reiseexperten zum Thema „Selfie Stick“?

Oliver Zwahlen von von Sinograph schreibt

Meine sechs Jahre in China haben mein Verhältnis zu Selfies grundlegend geändert. Bevor ich in Asien lebte, konnte ich nie so recht verstehen, wieso sich Leute unbedingt vor einer Sehenswürdigkeit ablichten müssen. Schliesslich geht beim Reisen ja nicht darum, mit möglichst ausgefallenen Orten zu prahlen, sondern idealerweise versucht man, soviel wie möglich vom Reiseziel zu absorbieren.

Tatsächlich haben Selfies jedoch auch eine zweite Komponente, die mir erst klar wurde, als ein chinesischer Freund sie erklärte: Ein Foto einer Sehenswürdigkeit könne er auch im Internet runterladen – und oft seien solche Bilder ohnehin besser als die eigenen. Aber ein Bild von einem selber mache alles viel persönlicher.

Seither habe auch ich begonnen, mich regelmässig vor Sehenswürdigkeiten zu fotografieren. Das bereitet mir nicht nur viel Spass, sondern ich habe am Ende auch mehr Bilder von mir selber. Einen Selfie-Stick besitze ich allerdings nicht – denn wenn ich nicht gerade mit dem Auto unterwegs bin, achte ich ganz genau darauf, dass das Gewicht meines Gepäcks nicht zu hoch wird. Auf meiner letzten Reise habe ich mir jedoch probehalber einen ausgeliehen.

 

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Karina Wendt von Zauberhaftes Anderswo schreibt

Ich hab bisher noch nie darüber nachgedacht mir einen Selfie-Stick zu kaufen.

Ich habe auf YouTube schon ein paar tolle Reise-Videos gesehen, die mithilfe dieser Selfie Sticks gedreht wurden. Diese Videos begeistern mit zwar sehr – ich selbst bin aber einfach nicht technik-affin genug, um mich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Ich besitze einen Gorilla-Pod, mit dem man auch gute Selfies machen kann. Wobei ich ehrlich sagen muss: selbst den benutze ich kaum.

Erstens brauch ich nicht vor jeder Sehenswürdigkeit ein Foto von mir. Ich mag Touristenmassen eh nicht so – da brauch ich mich nicht auch noch mitten rein zu stellen und den Versuch starten, ein Foto von mir selbst zu machen (mit zich anderen Menschen drauf, versteht sich). Lieber habe ich dann eins von mir an einem schönen einsamen Strand (wo dann der Gorilla Pod wieder Sinn macht). Wenn ich dann doch mal ein Foto von mir vor einer Sehenswürdigkeiten haben will, bin ich zweitens eher für den Klassiker: wieso nicht einfach mal anderen Menschen die Kamera in die Hand drücken und sie darum bitten, ein Foto zu machen? Da kommt man gleich ins Gespräch mit neuen Leuten und kann sich im besten Fall direkt ein paar Reisetipps abholen.

Stefan Diener von Faszination Südostasien schreibt

Früher sahen Urlaubsfotos so aus: Die Familie stellte sich vor ein Panorama, alle lächelten schief und angespannt, während Papa oder Mama versuchte das Foto zu knipsen. Nach ein paar Wochen erhielten wir das bescheidene Ergebnis in Form entwickelter Bilder. Mindestens eine Person hatte die Augen zu und die Füße waren fast immer abgeschnitten.

Mit den Digitalkameras kam die Zeit der Sprünge. Erst hüpften nur die Asiaten vor Sehenswürdigkeiten durchs Bild. Später zog Europa nach. Und nun halt die Selfie Sticks. Mal wieder ist Asien der Vorreiter, und natürlich werden wir wieder folgen.

Ja, es sieht bescheuert aus. Touristische Attraktionen werden umlagert von selbstverliebten Fotografen, die versuchen, sich selbst optimal in Szene zu setzen. Dabei kommen sie oft der hinter ihnen liegenden Felskante oder dem fließenden Straßenverkehr gefährlich nahe, während sie sich nur noch auf die Linse ihrer Kamera konzentrieren.

Genießt doch mal lieber den Ausblick, möchte ich ihnen zurufen. Aber darf ich mich überhaupt beschweren? Schließlich gehöre ich zu denen, die in Restaurants ihr Essen fotografieren. Und außerdem: Ich habe es auch schon gemacht.

Kilian Kempter von Finds besser raus schreibt

Selfie Sticks – eine geile Erfindung mit urkomischem Beigeschmack!

Ich habe bei Wikipedia reingeschaut und da kommt das Klischeebild schlechthin. Drei kleine Chinesinnen fotografieren sich mit dem Selfie Stick und machen auch noch das übliche Peace-Zeichen mit den Fingern.

Irgendwie freut mich das und ich muss jedes Mal anfangen zu grinsen, wenn ich Touristen mit Sticks oder riesigen Tablets sehe. Dies wird in Zukunft wohl auch häufiger vorkommen und wahrscheinlich ist es so, wie bei der deutschen Energiewende: Jeder will die moderne Veränderung, aber keiner will die Windräder vor der Nase haben.

Ich persönlich sehe zwar die Vorteile an solchen Sticks, werde jedoch sicher keinen verwenden. Nicht mal mit einem „zu kurzen“ Arm, denn erstens ist es mir zu viel Aufwand diesen Ausziehstab mit mir herumzutragen. Und zweitens frage ich lieber Einheimische oder andere Reisende, ob sie ein Foto von uns schießen können. – Dies ist für mich eben eine geniale Möglichkeit neue Reise-Bekanntschaften zu schließen und Fragen zur jeweiligen Kultur oder Sehenswürdigkeit zu stellen.

Unterm Strich denke ich: Wer sich über Selfie Sticks aufregt, der reist am besten an die Orte, an denen sonst kein Tourist unterwegs ist. Und genau aus diesem Grund sammle ich ja auch #ReiseInsiderTipps für deine Reise auf eigene Faust.

Ich bin Kilian Kempter und mit dem Startpaket auf finds-besser-raus.de habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, dass du als Reisender mehr Freiheit und unvergessliche Abenteuer erlebst. Schau vorbei.

Anita Brechbühl von Travelita schreibt

„Stell dich doch schnell vor diese Statue hin! … läääääächeln!“ und schon knipste meine Mutter mich vor einer Sehenswürdigkeit ab. Ich verdrehte bei einem Stopp ein bisschen mehr die Augen und der Haussegen hing spätestens beim fünften Fotostopp definitiv schief. Ihr erahnt, ich mag es nicht, fotografiert zu werden. Deshalb bin ich froh, dass mich heute niemand mehr auffordert, mich mit einer komischen Pose vor dem Eiffelturm oder dem Kolosseum lächerlich zu machen. Wenn ich meine Reisebilder durchschaue, gibt’s zwischendurch ein Bild mit meinen Füssen, höchst selten ein Bild mit mir drauf und an einer Hand abzählen kann man die Selfies – ohne Stick selbstverständlich. Wieso sich in den heutigen Tagen alle reisenden Geschöpfe auf diese Sticks stürzen und voller Stolz mit der Kamera vor dem Gesicht durch die Gegend spazieren, verschliesst sich aus den oben genannten Gründen meinem Verstand. Wieso muss man sich selbst dermassen in den Mittelpunkt stellen? Und wieso schleppt man dafür einen Stick mit, statt wie früher einfach jemanden, der zufälligerweise in der Nähe steht, um ein Foto zu bitten? Ich freu mich jedes Mal, wenn ich jemanden ablichten darf. Manchmal entstehen da aus einem simplen „könntest du ein Foto von mir machen“ interessante Gespräche oder sogar langjährige Freundschaften. Mit dem Selfie-Stick dagegen steht man einsam in der Menschenmasse.

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Kommentare
  1. Mike
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  3. Wolfgang Bürkle
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